7. Dezember 2007
"Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr" - auch für Flüchtlinge?
Flüchtlingen
kann Knecht Ruprecht das nicht sagen, denn für sie weihnachtet es
nicht. Sie erhalten vermutlich am 24.12. oder schon vorher - ihr
übliches Lebensmittelpaket und können sich daraus zubereiten,
was mit den kargen Zutaten eben gerade möglich ist, ebenso wie
alle anderen Tage des Jahres. Sich selbst eine Mahlzeit
zusammenstellen, mit dem, was bei ihnen an Festtagen Tradition ist oder
was die Kinder besonders gern essen? Oder gar Geschenke? Fehlanzeige!
Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg fordert die
Landesregierung dazu auf, das Sachleistungsprinzip aufzugeben, so wie
andere Bundesländer es bereits getan haben. [PDF 33
KB]
26. September 2007
Boat People dürfen nicht länger in den Tod getrieben werden
Scheinwerfer werden auf
ihr Boot gerichtet. Sie springen nervös auf. ?Sitzen bleiben, Ruhe
bewahren!? tönt es aus dem Lautsprecher. Zu spät, das
überladene Boot bekommt Schlagseite, eine Welle gibt dem Kahn den
Rest, es kentert. 48 Menschen können gerettet werden, 90
ertrinken. Das geschah am 22.7.2007. Bei dem Versuch, von Afrika nach
Europa zu kommen, sterben fast täglich Flüchtlinge, allein
für 2006 schätzt man 6 000. In den letzten zehn Jahren
mindestens 10 000, wahrscheinlich viel mehr, denn längst nicht
alle Leichen werden an die Küsten angespült.
Zum
diesjährigen Tag des Flüchtlings protestiert der
Flüchtlingsrat Baden-Württemberg gegen die Abschottung
Europas und setzt sich für eine menschenwürdige Aufnahme von
Flüchtlingen ein. [PDF
37 KB]
24. Juli 2007
Massenvorladungen afrikanischer Flüchtlinge - Sammelabschiebungen zu erwarten?
Zum wiederholten Mal hält sich seit dem 17.7.07 eine dubiose Delegation aus Guinea in Deutschland auf, diesmal in der Ausländerbehörde Braunschweig. Ziel ihrer Mission ist, im Auftrag der deutschen Behörden afrikanische Flüchtlinge zu "identifizieren" und ihnen Papiere für die Abschiebung auszustellen. Eine solche Delegation war bereits 2005 zweimal in der Hamburger Ausländerbehörde zu Gast, 2006 in Dortmund sowie in der Schweiz, auf den Kanarischen Inseln und evtl. in weiteren europäischen Ländern. Die "Identifizierungsmethoden" sind dabei mehr als fragwürdig: Laut Aussage des Leiters der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) Dortmund entscheidet die Delegation "aufgrund der Aussprache und der Gesichtsform" über die guineische Staatsangehörigkeit (Welt, 07.04.06). Weiterhin fanden Anhörungen afrikanischer Flüchtlinge vor kurzem auch vor kamerunischen Botschaftsangehörigen in der ZAB Köln statt, und togoische Flüchtlinge wurden in großer Zahl zu ihrer Botschaft vorgeladen. Wir befürchten deshalb, dass wieder (Sammel-)Abschiebungen nach Afrika vorbereitet werden.
Gemeinsame Presseerklärung der Flüchtlingsräte Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, der Flüchtlingsinitiative Brandenburg (FIB) und dem internationalen Aktionsbündnis (NRW) [PDF 34 KB]
6. Juli 2007
Teuer erkaufter Kompromiss hilft zu wenig Geduldeten
Das vom Bundesrat verabschiedete 2. Zuwanderungsänderungsgesetz ist ein teuer erkaufter Kompromiss. Die gesetzliche Bleiberechtsregelung hilft nicht wirklich den vielen langjährig Geduldeten zu einem Aufenthaltsrecht. Der neue Stichtag hilft nur wenigen. So gibt es auch nach der neuen Regelung Fälle, in denen wenige Tage über Wohl oder Wehe der Zukunft in Deutschland entscheiden: "Ein Stichtag ist immer ungerecht", so die Vorsitzende des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg, Angelika von Loeper, "vor allem vor dem Hintergrund, dass ein effektiver Flüchtlingsschutz in Deutschland nach wie vor nicht gegeben ist. So lange Schutzbedürftige keinen Aufenthaltstitel erhalten sondern auf Duldungen geparkt werden, werden Bleiberechtsregelungen benötigt." [PDF 35 KB]
22. Februar 2007
Fast 100 Tage Bleiberecht - aber kaum Entscheidungen
Flüchtlingsrat Baden-Württemberg: Zu viel Bürokratie hemmt zügige Umsetzung des Bleiberechtsbeschlusses
Am 25.02.2007
ist der mühsam errungene Bleiberechtsbeschluss der
Inneministerkonferenz einhundert Tage alt. Eigentlich Zeit, eine erste
Bilanz zu ziehen. Allerdings fällt eine erste Bewertung mager aus.
Bisher sind kaum Entscheidungen ergangen, die meisten Anträge
liegen auf Halde.
Zwar hat das Innenministerium
Baden-Württemberg zügig Anwendungshinweise auf Landesebene
herausgegeben und durch weitere Anmerkungen ergänzt. Dennoch
scheinen die Informationen mancherorts bei den
Ausländerbehörden noch nicht angekommen zu sein. [PDF
34 KB]
1. Februar 2007
Hoffnungslos! - Geschichte einer Abschiebung
Flüchtlingsrat Baden-Württemberg und Refugio Stuttgart setzen sich für die Rückkehr von Zejnep und ihren Kindern ein
Immer häufiger
kommt es zu Abschiebungen von Menschen mit posttraumatischem
Belastungssyndrom in ihr Herkunftsland. Hierfür gibt es
verschiedene Gründe. So wird oft behauptet, eine solche Erkrankung
könne auch im Herkunftsland behandelt werden. Dies ist aber gerade
bei der Posttraumatischen Belastungsstörung in der Regel nicht der
Fall. Therapien gibt es etwa im Kosovo überhaupt nicht, allenfalls
mit herkömmlichen Methoden wie starken Beruhigungsmitteln und
Psychopharmaka wird bei diesem Krankheitsbild vorgegangen. Ein weiterer
Grund liegt auch darin, dass die Behörden die Frage der
Behandelbarkeit dieser Erkrankung gar nicht mehr erörtern, sondern
im Rahmen der Abschiebung lediglich die Reisefähigkeit des
betroffenen Menschen untersuchen und ggf. durch Gabe von
Beruhigungsmitteln durchsetzen. Im Asylverfahren sind die meisten der
Betroffenen gescheitert, das Krankheitsbild bringt es mit sich, dass
das Erlebte häufig verdrängt wird oder nicht chronologisch
und detailliert geschildert werden kann. Oft bricht die Krankheit erst
aus, wenn der Druck einer Abschiebung und die Angst vor der Begegnung
mit dem Ort und möglicherweise den Tätern der
Menschenrechtsverletzung akut werden. [PDF 77
KB]